04.07.09 leben ohne Wertung
Veröffentlicht auf 4. Juli 2009
Leben in der Dualität war ein Leben in der Unterteilung in Richtig und Falsch, in Gut und Böse. Leben in der neuen Energie kann nur sein, ohne diese Bewertung zu leben, denn neue Energie hat diese alten Parameter nicht mehr, und damit keinen Bezug dazu. Somit bin ich, wenn ich die alten Denk-Muster beibehalte, nicht in neuer Energie.
Was heißt nun leben ohne diese Bewertung?
Es heißt alles anzunehmen, ohne den Stempel „gut“ oder „schlecht“ drauf zu drücken. Es heißt sich des Lebens zu erfreuen, ohne es an Bedingungen zu knüpfen, wie etwa:
wenn ich den richtigen Partner habe, dann bin ich glücklich, oder wenn ich genug Geld habe, dann freue ich mich des Lebens usw., davon gibt es Millionen! Ach was, Milliarden solcher Bedingung schwirren herum. Doch alle diese Bedingungen erschaffen nur eines: Begrenzung, Einengung, weil alles, was nicht meinen Bedingungen entspricht, ja bitte gefälligst weg bleiben soll – doch erstens funktioniert das nicht, und zweitens, was bleibt dann noch übrig?
Leben in neuer Energie heißt annehmen, und zwar alles, bedingungslos.
Ein Beispiel von mir:
Eine Freundin hatte mich Silvester eingeladen, doch an diesem Abend hatte ich Kopfschmerzen, und damit war mir nicht danach, mich ins Auto zu setzen und zu ihr zu fahren, ich war lieber bei mir auf dem Sofa und hab ein wenig Fernsehen geschaut. Ein paar Tage später wollte sie mit mir ins Kino, doch ich hatte an diesem Tag etwas Durchfall, hatte nachts zuvor mal heftiges Bauchkneifen, und dann eben diesen Durchfall, nicht schlimm, aber eben nix um ins Kino zu gehen. Sie sagte zu mir: Du bist aber zur Zeit arg gebeutelt – und das sehe ich überhaupt nicht so! Ist Leben nur dann, wenn ich mich gut fühle, in Ordnung? Für mich ist alles in Ordnung. Klar ist es zuweilen unangenehm, Schmerzen zu haben, und, ich hatte davon weiß Gott genug in meinem Leben. Aber was ist dabei, wenn mir mal eben nicht so top-fit-leistungsmäßig zu Mute ist? Gar nichts. Annehmen, sich nicht dagegen wehren, es geschehen lassen – und so ist es am schnellsten wieder vorbei, und ich fühle mich wohl und ich genieße das Leben auf neue Weise.
Und diese Dinge haben die Menschen laufend, tag-täglich, wann ist ein Tag so wie ich ihn mir vorstelle? Doch eigentlich niemals, es ist immer irgendwie anders. Also, warum lasse ich dann nicht einfach diese Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, sein soll, völlig los? Und nehme den Tag wie er ist, nehme an was kommt, und selbst dann wenn es heftig wird? Wer sagt denn, das ich das nicht tun kann?
Denn das ist Leben: es zu fühlen mit allen Facetten die es hat, mit all seiner Tiefe, mit all seiner Leidenschaft, mit all seiner Komik, das ist doch genau was das Leben ausmacht!
Schlecht sind die Dinge nur dann, wenn ich sie als schlecht betrachte, das ist tatsächlich so, auch wenn diese Aussage eine Herausforderung ist. Doch wie oft haben Menschen vermeintliche Katastrophen in ihrem Leben hinterher als das das Beste bezeichnet, was ihnen passiert ist? Ob lebensbedrohliche Krankheiten, Unfälle, also sogar die heftigen Dinge, weil sie damit so viel mehr vom Leben und von sich selbst erfahren haben, vielleicht, weil sie gerade dadurch erst anfingen, wahrhaft zu leben?
Doch so heftig muss es ja gar nicht sein, es geht mir mehr um die vielen Kleinigkeiten, tagtäglich, die wir so automatisch mit Wertung versehen, ob sie gut oder schlecht sind. Dabei sollten wir wirklich hinterfragen ob es so ist.
Denn dann passiert, das ich anfange, die verschiedenen Ebenen zu sehen, wenn ich die oberflächliche Wertung mal beiseite lasse. Dann sehe ich das etwas, das allgemein als schlecht betrachtet wird, durchaus seine Berechtigung hat, in dem es z.B. mich darauf aufmerksam macht, das mein Körper etwas loslassen möchte, oder das ich da Ängste habe, die ich loslassen kann, oder das ich gerade dadurch über eine Begrenzung in meinen Gedanken hinaus gehen kann. Und damit kann ich alles sogar in Dankbarkeit annehmen, denn es sind Geschenke, die ich mir selbst mache, eben damit ich mich von den alten Bewertungs-Systemen lösen kann. Und annehmen beginnt damit, wirklich alles anzunehmen wie es jetzt gerade ist, ob es ein körperliches Unwohlsein ist, ob es etwas ist, das mich bedrückt (finanzielles Sorgen oder Streitereien), egal wie auch immer, wahres annehmen beginnt damit, alles willkommen zu heißen. Willkommen zu heißen!
Was für eine Herausforderung.
Und doch liegt hier der Schlüssel zur Lösung aller Dinge, der Schlüssel zur Gesundheit, der Schlüssel zu Wohlstand, der Schlüssel zur Freundschaft. Keine Bedingungen durch Wertung mehr zu stellen öffnet alle Kanäle, und genau damit bin ich im Strom des Lebens geborgen.
Nur sollte ich nicht in den Fehler fallen, zu sagen, okay, ich nehme (als Beispiel) diese Schmerzen an, und dann darauf warten das sie sich auflösen – das ist kein annehmen, denn es enthält ja die Bedingung, das der Schmerz sich auflösen soll. Annehmen ist, zu sagen, ja, es ist gut so wie es ist – Punkt! Und mich dann mit etwas anderem beschäftigen.
Und plötzlich fällt mir auf, der Schmerz ist weg, wenn auch erst am anderen Tag oder Tage später.
Annehmen heißt, nicht mehr damit hadern, warum, wieso, woher, annehmen ist, es als gegeben zu sehen und sich dann etwas anderem zuzuwenden, etwas das Freude macht oder einfach nur gut tut – sei es das du auf dem Sofa liegst und nichts tust.
Annehmen heißt letztlich, es zu lieben so wie es ist, bedingungslos, so wie ich mich selbst liebe – lieben sollte.